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Back to the Roots – Analoge Fotografie mit der Praktica MTL5B

Analoge Fotografie mit der Praktica MTL3

Analoge Fotografie – Was soll das denn?

Digitale Vollformat-Spiegelreflexkamera sind mittlerweile bei weit über 50 Megapixel angekommen, haben Verschlusszeiten von unter 1/4000 Sekunde und ich bediene mich ausgerechnet einer „einfachen“ Analogkamera aus den 70er Jahren. Doch „einfach“ ist war für die damaligen Verhältnisse ganz und gar nicht: durch das neue teilweise verchromte Gehäuse und einen Stahllamellenschlitzverschluss war sie extrem robust, erlaubte genaue Belichtungszeiten von 1s – 1/1000 Sekunde und einen sehr geringen Verschleiß. Jetzt, reichlich 45 Jahre später, arbeitet mein Model, welches ich von meinem Vater ausgeliehen habe, immer noch präzise und einwandfrei.

Wo liegt der (praktische) Unterschied von Analoger zu Digitaler Fotografie?

Gerade als Anfänger ist die digitale SLR (Spiegelreflexkamera) ideal: einfach auslösen, angucken und in 90% der Fälle wieder löschen weil nicht geworden. Deswegen würde ich auch jedem Anfänger eine digitale Kamera ans Herz legen. Mit ihr lernt man viel schneller, weil die Ergebnisse direkt auf dem Display erscheinen und kann auch viel mehr ausprobieren, ohne dass es etwas kostet.

Bei der analogen Kamera ist es anders: als erstes musste ich einen Film kaufen. Drogerien führen meistens noch 2-3 Standardmodelle von Kodak mit 24 oder 36 Bildern für ca. 4-6€. Aufgrund der geringeren Pro-Bild-Kosten habe ich mich für einen 36er Farbfilm mit ISO100 und einen 36er Schwarz-Weiß-Film mit ISO400 entschieden. Auch das ist ein Unterschied: Bei der DSLR kann die Lichtempfindlichkeit (ISO) von Bild zu Bild individuell eingestellt werden – bei der analogen hat ein Film immer eine gleichbleibende ISO (meist 100, 200 oder 400). Man muss also vorher überlegen wo man fotografieren möchte. Innenräume sind meist dunkler und benötigen eine höhere ISO. Im Sommer in der Natur reicht dagegen die niedrige ISO100. Da die Filme eine Höhe von 35mm haben nennt man sie auch Kleinformat, Kleinbildfilm (KB) oder Normalfilm.

Dann ging es an das Einlegen des Filmes. Das ist gar nicht so einfach wie man denkt, denn die alten Kameras haben manchmal ihre Tücken: Einen meiner Filme hatte ich z.B. nicht hundertprozentig richtig eingelegt und so zog ihn der Auslösehebel nicht mit. Klar hätte ich es erkennen müssen, da die linke Kurbel nicht mitdrehte beim Aufziehen, aber darauf hatte ich schlichtweg nicht geachtet und wusste es auch noch nicht. Und so kam es, dass ich nach dem Entwickeln einen komplett leeren Film in der Hand hielt und alle Arbeit umsonst war. Aber ok, das passiert und daraus lernt man natürlich auch.

Da sich der Film erst richtig aufrollen muss, muss die Kamera zwei mal aufgezogen und ausgelöst werden, bis die ersten „richtigen“ Bilder aufgenommen werden können.

Wie stelle ich die analoge Kamera richtig ein?

Praktica MTL Belichtungszeit und ISO einstellenNach dem Einlegen des Filmes stellt man als erstes die ISO ein, damit der Lichtmesser richtig arbeiten kann – diesen besitzen jedoch nicht alle Kameras. Dazu wird das Rädchen mit dem man sonst die Belichtungszeit einstellt nach oben gezogen und gleichzeitig gedreht. Bei der Praktica steht anstatt „ISO“ übrigens „ASA“ auf dem Rädchen.

Damit die Kamera später ausgelöst werden kann, muss der  Aufziehhebel auf der rechten Seite nach rechts gezogen werden.

Nun kann man sich ein Motiv suchen und überlegen welche Blende man wählt. Wir erinnern uns: Offene Blende = Kleine Zahl = geringe Tiefenschärfe = Hintergrund unscharf. Geschlossene Blende = Große Zahl = große Tiefenschärfe = Vorder- und Hintergrund scharf. Angenommen wir wollen jemanden porträtieren, empfiehlt sich eine offene Blende um die Person freizustellen – der Hintergrund wird unscharf. Dazu dreht man das Rädchen am Objektiv entgegen dem Uhrzeigersinn. Mein Objektiv erlaubt eine Blende von 1.8.

Nun gilt es die richtige Belichtungszeit zu wählen: dazu betätigt man den Lichtmesser (schwarzer Hebel an der rechten Vorderseite) und schaut durch den Sucher. Der kleine Zeiger am rechten Rand bewegt sich nun nach oben (überbelichtet) oder nach unten (unterbelichtet). Zeigt er nach unten muss die nächsthöhere Belichtungszeit gewählt werden und wieder mit dem Hebelchen geprüft werden. Bleibt der Zeiger mittig ist die Zeit richtig eingestellt.

Praktica MTL - Blick durch den SucherDa die Praktica keinen Autofokus (kurz: AF) besitzt müssen Model und Fotograf nun möglichst still bleiben um den Abstand zueinander nicht zu verändern. Der Fotograf kann nun durch den Sucher schauen und versuchen auf das Model zu fokussieren. Versuchen deshalb, weil es eine echte Gewöhnungssache ist, bis man den Dreh raus hat. Am Anfang sieht man entweder gar nichts oder alles verschwommen. Irgendwann jedoch bewegen sich die Bildteile in dem Prisma in der Mitte des Suchers aufeinander und das Bild wird scharf. Arbeitet ihr das erste mal mit der Praktica oder einer ähnlichen analogen Kamera ohne AF bittet euer Model im Vorhinein um Geduld!

Nun kann endlich ausgelöst werden. Ein kurzer Klick ertönt und das war’s auch schon. Nun kann das Spiel von vorne beginnen.

Kleinbild-Film aus der Kamera entnehmen

Ist der Film voll – das heißt je nach Filmgröße 24 und 36 Bilder geschossen – kann der Film entnommen werden. Dazu wird an der Unterseite der Entriegelungsknopf betätigt, dann die Kurbel links oben auf dem Gehäuse im Uhrzeigersinn gedreht und nach einem leisen Klacken (Film springt aus der Zugrolle) die Kurbel nach oben gezogen. Damit wird der Gehäusedeckel geöffnet und der Film kann herausgenommen und zum Schutz in die Plastikdose gelegt werden.

Analoge Fotos belichten und entwickeln lassen

Ein ernst gemeinter Rat: Lasst den Film von einem Fotolabor entwickeln und nicht bei der Drogeriekette! Die Unterschiede sind wie Tag und Nacht. Sucht euch ein Fotolabor in eurer Stadt oder eurer Nähe, auch wenn sich die Anzahl seit Einzug der digitalen Fotografie stark dezimiert haben wird. Ich lasse meine Bilder auf 10x15cm mattem Fotopapier ausbelichten und gleichzeitig die Negative einscannen. So habe ich sie in der Hand und auf dem Rechner.

Pro-Bild-Kosten bei der analogen Fotografie

Überlegt euch beim Fotografieren genau was und wofür etwas fotografiert werden soll. Die sichere und preiswertere Lösung ist sicher die digitale Fotografie, schließlich zahlt man beim analogen Foto jedes einzelne, egal ob verwertbar oder nicht.

36er Farbfilm ISO100: 4,99€

Entwickeln + Print 10×15 + Scan 300dpi: 14,50€

Gesamt: 19,49€ (entspricht ca. 0,54€/Bild)

Die ersten analogen Ergebnisse

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